Kurzbeschreibung:

In dieser Sektion gehen wir der Frage nach, ob Candlestick(Formationen) profitabel sind und wie man einzelne Situationen (Charts, Zeiteinheiten & Kerzen) bewertet.

Darüber hinaus werden folgende Themen angesprochen:

a.) Trends (Trendarten) – Aufwärts, Abwärts, Seitwärts (?)

b.) Zeiteinheiten und deren Zusammenspiel

c.) Long-/Short-Kerzenformationen

Merkblatt:

1.) Candlesticks alleine stellen keine Handelssignale oder ein Handelssystem dar!

2.) Candlestick(Formationen) sind in der Hinsicht profitabel , dass Sie als Teil des Handelssystem eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

3.) Einzelne aus dem Kontext herausgerissene Candlestickformationen sind gefährlich bzw. nutzlos.

4.) Es ist notwendig den übergeordneten Kontext zu kennen und zu verstehen, um den untergeordneten Chart inklusive seiner Kerzen bewerten zu können.

Es ist doch eigentlich so einfach: Oben an der (Seitwärts-)Phase jeweils immer einen Short- und unten eine Longposition. Tolles Chance-Risiko-Verhältnis und einfach zu handeln, getreu der Devise: Verluste begrenzen und Gewinn laufen lassen. Jedoch suggeriert bereits die in der Überschrift gestellte Frage: “Sind Candlesticks profitabel” Dinge, die man genauer hinterfragen sollte oder sogar muss. Die Frage “Ob Candlesticks profitabel sind” könnte man auch umformulieren und in der neuen Frage, “ob Candlesticks im echten Trading wirklich funktionieren” zusammenfassen. Das Problem bei dieser Art von Fragestellung ist jedoch immer gleich: Sie suggeriert, dass Candlesticks bzw. Candlestickformationen konkrete Handelssignale oder sogar eine ganze Strategie darstellen.

Sicherlich funktionieren Candlesticks in einer bestimmten Form. Das kann man bereits an dem Bild oben erkennen. Eine gewisse Systematik scheint ja dahinter zu stecken, aber bei der realen Umsetzung ist es dann doch schwieriger. Schwieriger ist es meistens deshalb, weil ein Doji oder ein Bullish Engulfing als direktes Einstiegssignal interpretiert werden (Vorsicht!).

Was passiert meistens in der Realität ? In der Regel sind viele Marktakteure nicht hauptberufliche Trader, sondern betreiben das Trading nebenbei. Der Zeitrahmen ist hier also oftwas gibs eng abgesteckt. Um schnelle Signale zu bekommen und nicht ewig in Trades “festzusitzen” wird also ein Chart mit einer kleinen Zeiteinheit gewählt (dazu zählen unter anderem vor allem M1,M5,M15,M30) und nach “Handelssignalen” oder “Umkehrformationen” Ausschau gehalten. Verpasst man irgendeine Bewegung, wird sofort die Korrektur gehandelt, weil man ja schließlich nicht umsonst an den PC gekommen ist und im Markt sein will: “Wenn man sich schon einen großen Teil seiner Freizeit für das Trading reserviert, will man ja schließlich auch Ergebnisse. Wer will schon warten”. Dass die Frage “ob Candlesticks funktionieren” gefährlich gestellt ist und indirekt eine Verbindung zwischen Profitabilität und Candlestickformationen herstellt wird, haben wir besprochen. Candlesticks sind keine Signale! Aber selbst dabei kann man es nicht belassen. Auch der oben dargestellte Chart vermittelt Dinge, die man hinterfragen muss. Da Charttechnik universell und unabhängig vom jeweiligen Basiswert (DAX, EURUSD, Aktien, etc.) genutzt werden kann, spielt es prinzipiell erst mal keine Rolle, welcher Basiswert hier überhaupt dargestellt wird. An dieser Stelle dennoch der Hinweis (AUD/USD).

Viel wichtiger ist doch die Frage, auf welcher Zeiteinheit der Chart dargestellt ist und in welchem Kontext diese charttechnische Situation auftritt. Wie sieht mein Handelssystem aus? Ist das, was ich auf dem M15-Chart sehe eigentlich.. ja was ist das eigentlich, was ich auf dem M15 Chart sehe? Schauen wir uns daher Schritt für Schritt die Situation an.

Zeiteinheit: M15 / AUDUSD

AUDUSD_M15_Seitwaertsphase1

Man erkennt eine deutliche Seitwärtsphase, bei der es sich anbietet sowohl die Longpositionen an der unteren Seite als auch die Shortpositionen auf der oberen Seite zu handeln. Grundsätzlich ist es hier natürlich möglich sowohl die Unterstützung als auch den Widerstand per Long- bzw. Shortposition zu handeln. Diese Sichtweise ändert sich jedoch, wenn man den Kontext, die Trendsituation und somit die übergeordnete Zeiteinheit in seine Betrachtung miteinbezieht.

Zeiteinheit: H4 / AUDUSD

AUDUSD_H4_Range1

Angesichts dieser neuen “Perspektive” kann die als vorher gesehene “optimale” Seitwärtsphase nun neu interpretiert werden. Denn die Seitwärtsphase aus dem M15-Chart ist lediglich ein Teil einer größeren Seitwärtsphase aus dem übergeordneten (zum M15-Chart gesehen) H4-Chart. Und dort wiederum stellt die M15-Range das  “obere” Ende der H4-Range da. Wir wissen also nun, dass es im M15-Chart sinnvoller wäre eher die Shortpositionen aus der Range zu handeln, weil diese wiederum auch in der oberen Begrenzung der H4-Range liegen. Ferner ist auch ein Short-Durchbrechen der M15-Seitwärtsphase wahrscheinlich, weil es sich möglicherweise um ein H4-Top handelt. Damit ist nicht gesagt, dass man auf dem M15-Chart nicht die Longpositionen handeln kann, aber man muss sich eben klar sein, dass diese “M15-Longs” zunehmend gefährlicher aufgrund der H4-Situation werden und damit eng gestoppt werden müssen. Einem alleinigen Bruch der letzten M15-Hoch könnte man nur eine gewisse Signifikanz zuweisen, wenn auch gleichzeitig die letzten H4-Hochs durchstoßen werden. Solange dies nicht der Fall ist, könnte man sogar bei einem alleinigen M15er-Bruch der Hochs von einem Fehlsignal ausgehen, weil die H4-Situation dominant erscheint.

Zeiteinheit: H4 / EURUSD

Schauen wir uns die Situation einmal bezogen auf eine Trendsituation an. Auch hier funktionieren Candlestick-Formationen augenscheinlich, aber auch hier gilt, dass die übergeordnete Situation (damit sind H4- und Tageschart) gemeint im Fokus stehen sollten, damit man die untergeordnete Situation (gemeint sind hier kleinere Zeiteinheiten wie M5,M15,H1) einschätzen kann.

Trend_Signale_Profitabel

Auch hier funktionieren die Candlestick(Formationen) aber angesichts der Trendsituation wird deutlich, dass je nach Trendsituation Long bzw. Short-Kerzen zu bevorzugen bzw. zu vernachlässigen sind. In einem übergeordneten Abwärtstrend zeigen die “Longkerzen” (B)  lediglich auf einen Korrektur hin, während die “Shortkerzen” (A) mit dem Momentum “gerichtet” sind. Da die Trendfortsetzung wahrscheinlich als ein Trendwechsel ist, ist es hier natürlich sinnvoller sich auf mögliche Shorteinstiege zu konzentrieren und dementsprechend die “Short”-Kerzenformationen wahrzunehmen (möglichst nach einer Longkorrektur) und weniger die Long-Kerzen und damit die Korrektur gegen den Trend zu handeln. Umgekehrt gilt in einem Aufwärtstrend natürlich das Gegenteil. Shortformationen deuten eher auf eine Korrektur hin und sind somit gegen den Trend gerichtet, während aufwärtsgerichtete “Long”-Kerzenformationen zu bevorzugen sind. Das gilt vor allem, wenn wir diesen Chart mit einer kleineren Zeiteinheit betrachten:

EURUSD_Trendsituation

Auch hier wird deutlich, dass natürlich die M15-”Short” Kerzen in gewisser Weise profitabel sind. Allerdings sind die M15-Shortkerzen in einem aufwärtsgerichteten M15-Trend, der gleichzeitig ein Teil des aufwärtsgerichteten H4-Trends ist. Wenn man also auf M15-Short-Formationen handelt, handelt man  sowohl gegen den untergeordneten- als auch gegen den übergeordneten H4-Trend (Korrektur-Trades). Verzichtet man hingegen auf Short-Trades bzw. Short-Kerzenformationen und konzentriert sich auf dem M15-Chart nur auf die Long-Formationen, weil man weiß, dass H4 ebenfalls long ausgerichtet ist, erhöht man seine Chancen sowohl untergeordnet (M15) als auch (übergeordnet H4) die stärkeren Bewegungen zu “erwischen” bzw. von diesen zu profitieren.

Zusammenfassung:

1.) Candlesticks sind eine nützliche Ergänzung und enthalten mehr Informationen als ein Linienchart (Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- und Tiefstkurse einer Spanne)

2.) Candelsticks bzw. Candlestickformationen stellen abhängig von der Zeiteinheit eine bestimmten Handelsverlauf dar!

3.) Candlesticks sind keine konkreten Signale, sondern nur ein Teil des Handelssystems.

4.) Das Zusammenspiel der Zeiteinheit bzw. Trendarchitekturen und die damit verbundenen Trendthematiken sind zu berücksichtigen.

5.) Aus dem Zusammenhang gerissene Formationen sind fast immer nutzlos und verleiten unsinnige Trades einzugehen.