Kurzbeschreibung

Candlesticks werden fast mit einer natürlichen Selbstverständlichkeit verwendet. Der große Informationsgehalt besteht natürlich verglichen zum Linienchart in den OHLC-Daten (Open,High,Low,Close)

Dennoch hat die Verwendung von Liniencharts den Vorteil, dass man sich hier auf den Schlusskurs fokussieren kann. Gleichzeitig ist es möglich auf diese Weise Informationen auszublenden bzw. sie zu reduzieren.

Darüber hinaus gehen wir in diesem Kapitel auf Pufferzonen und weitere Chartdarstellungen ein.

Merkblatt

1.) Eine sinnvolle Kombination aus Linien- und Candlestickcharts kann Vorteile hervorbringen.

2.) Pufferzonen mittels Candlestick- und Liniencharts geben den Markt Spielräume zur Entwicklung.

3.) Geglättete Darstellungen der Candlesticks erfolgen z.B. über die Heikin-Ashi-Kerzen.

4.) Alternativen können Point and Figure, Kagi, Renko oder Three Line Break – Charts sein

Grundsätzliches

Grundsätzlich steht bei der Chartanalyse die Analyse des Kurs/Preis-Diagramms im Fokus. Das bedeutet, dass maßgeblich mit Hilfe vom Preis, der Zeit(und evt. ergänzend dem Volumen) ein Diagramm bzw. ein Chart konstituiert(erzeugt) wird.

Dabei ist die Liniendarstellung die elementarste Form der Darstellung. Sie basiert auf den definierten Zeitpunkten (jede Minute, jede 5 Minuten, jede Stunde) und dem jeweiligen Preis (Schlusskurs zu diesem Zeitpunkt). Anders formuliert sammelt man eine Tabelle mit Zeitpunkten (X-Achse / horizontale Achse) und den dazugehörigen Preisen (Y-Achse / vertikale Achse). Die “erweiterte” Version eines Liniencharts ist der so genannten “Balken”- oder “Bar” -Chart. Während Liniendarstellungen nur den Schlusskurs darstellen können, zeigen Bar-Charts nicht nur den Schlusskurs, sondern auch den Verlauf einer Spanne an. Der Candlestick-Chart ist so gesehen das “Update” vom Balkenchart. Kerzen sind farblich gefüllte Balkencharts.

Liniendarstellung

001_Linienchart

Linien und Balken Darstellung:

002_Lininenchart_und_Balkenchart

Linien & Candlestick Darstellung:

003_Linienchart_und_Candlesticks

Auf weitere Darstellungsmöglichkeiten verzichten wir an dieser Stelle, da sie im späteren Verlauf erörtert werden. Zunächst soll es um die “Schlusskurs”-Thematik gehen. Liniencharts stellen nur diesen dar. Der zusätzliche Informationsgewinn durch die Bar/Candlestick-Darstellung erfolgt durch die OHLC-Daten (Open, High, Low, Close). Man weiß also, was innerhalb der gewählten Zeitspanne, in dem Fall der Tageschart, innerhalb dieses Tages passiert ist. Grundsätzlich könnte man an dieser Stelle fragen, ob das nun nennenswert wichtig ist, zu wissen, was innerhalb eines Tages passiert ist, da letztlich ja eigentlich der Schlusskurs zählt? Nun, das kann man eigentlich sehr schön an einem Bild verdeutlich. Als Basis dient der Gold-Tageschart. Zu den verschiedenen lokale Extrema (Hoch- & Tiefpunkte) aus dem Linientageschart wurden die dazugehörigen Kerzen aus dem selbigen Chart hinzugefügt, welche die Sichtweise auf den Chart durchaus verändern können.

Linienchart mit einzelnen Kerzen(formationen)

004_Linienchart_mit_einzelnen_Kerzen

Bei der Benutzung des Liniencharts wird meistens eine Fokussierung auf die Schlusskurse erzeugt. Gleichzeitig vereinfacht die Liniendarstellung den Chart. Die HLOC-Daten, welche ja die Candlesticks liefern, “überfrachten” den Chart also nicht. Gleichzeitig fehlen diese natürlich. Wie man an dem oberen Chart erkennen kann, ist es teilweise durchaus wichtig zu wissen, was konkret innerhalb eines Tages (einer Tageskerze) an Bewegungen stattgefunden hat. Das gilt übrigen besonders für die Ausbildung von lokalen Extrema.
Pufferzonen

Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass in den letzten Jahren eine zunehmend stärkere Abkehr vom Linienchart erkennbar ist. Mehr Informationen sind besser und warum also auf die OHLC-Informationen der Candlestickcharts verzichten? Auf der einen Seite ist das richtig, aber gleichzeitig verlagert man den Fokus auf Formationen und die OHLC-Daten. Wo bildet sich welche Kerze aus? Welche Formationen sind an welchen Punkten erkennbar usw. Damit gerät der Schlusskurs ein wenig aus dem Fokus, der durch aus noch seine Bedeutung besitzt. Anstatt sich also für die eine oder andere Variante zu entscheiden, ist es sinnvoll beide Chartdarstellungen zu kombinieren. Man wendet seine charttechnischen Analysemethoden einfach auf beide Darstellungen an und nutzt dabei den Candlestick-Chart (Pufferzonen-Technik).

Pufferzone (Trendlinien bzw. Trendkanäle)

005_Linienchart_Candlestickchart_Trendkanal

006_Pufferzonen_Horizontal_Support_Resistance

007_Pufferzonen

Pufferzone (Horizontale Unterstützungen und Widerstände)

Natürlich ist es auch möglich die Informationen aus dem Linien- bzw. Candlestickchart in Bezug auf die Analyse von Hoch- und Tiefpunkten zu kombinieren. Auf dem folgenden linken Bild wurden dabei die lokalen Extrema jeweils mit einer roten und einer blauen Linien versehen. Somit werden keine exakten Marken definiert, sondern eher Zonen, in oder an denen Bewegungen stattfinden können. Etwas nachteilig könnte sich diese Methode jedoch auf die Übersichtlichkeit auswirken, weshalb im rechten Bild auf die Linien verzichtet wurde. Anstatt dieser wurden  die entstandenen Zonen als “farbliche” Felder dargestellt.

Pufferzone (Fibonacci Retracements)

Das folgende Beispiel zeigt eine Kombination der Retracements. Dabei erkennt man relativ eindeutig, dass dieses “Kombinationsmodell” durchaus seine Berechtigung hat. Achten Sie dabei besonders auf die Kerzenreaktionen an den “Retracement-Zonen”.

008_Retracements

Unabhängig davon, ob man jetzt eine Pufferzone mit Trendlinien oder mehrere Pufferzonen durch Trendkanäle nutzt, kann man die entstandenen Pufferzonen mit Candlestickformationen kombinieren.

Dabei ist es natürlich sinnvoller sich eher auf die Pufferzonen inklusive der Candlestickformation(en) in Trendrichtung zu fokussieren als gegen den vorherrschenden Trend zu agieren.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten und Beispiele der konkreten Anwendung können Sie in den folgenden Videos einsehen.

Diese Videos gehören zum Videokurs I.

Weitere Darstellungsmöglichkeiten

Heikin-Ashi

009_Candlestickalternativen_Heikin_Ashi

Heikin-Ashi im Vergleich zu Candlesticks

010_Candlesticks_Heikin_Ashi_im_Vergleich_

Die Heikin-Ashi-Charts (japanisch: wortwörtlich “Durchschnittsbalken”) ähneln den Candlestick-Darstellungen und basieren auf den OHLC-Informationen. Allerdings handelt es sich hierbei um eine etwas andere Berechnungsmethode. Bei den Candlesticks ist das relativ klar und einfach ersichtlich: Es gibt 4 Punkte, die eine Candle definieren: Hoch, Tief, Open und Close. Diese Werte kann man genau wie bei den Bar/Balken/Säulen-Charts direkt aus dem Chart ablesen. Bei der Heikin-Ashi Darstellung handelt es sich um eine geglättete Berechnungsmethode. Daraus ergibt sich ein durchaus harmonisches Abbild des Charts. Gleichzeitig muss man jedoch wissen, dass die dargestellten Punkte einer Heikin-Ashi-Kerze (Eröffnungskurs, Schlusskurs, Höchst- und Tiefstkurs) nicht den “tatsächlichen” Candlekursen entsprechen. Die Glättung wirkt hier in beide Richtungen. Auf deiner einen Seite “glättet” sie den Verlauf, was auf Kosten der “exakten” OHLC-Daten geht. Unter anderem bedeutet das auch, dass Gaps (Kurslücken) und “kleinere Unregelmäßigkeiten” nicht dargestellt werden. Ähnlich wie bei der Nutzung und Interpretation von Indikatoren wie dem RSI oder dem MACD enthalten die Heikin-Ashi-Kerzen keine neuen Daten bzw. Informationen, sondern stellen die OHLC-Daten nur anders da. Es handelt sich somit um eine andere mathematische Berechnung desselben Datensatzes und dient zur optimierten Visualisierung von Trends. Wichtig bleibt hier resümierend festzuhalten, dass es sich bei einer “anderen” Darstellung niemals um ein völlig “anderes” “all-umfassendes”, schon gar nicht um ein Tradingsystem handelt bzw. handeln kann. Es kann eine andere Perspektive bieten und teils das bestehende Handelssystem ergänzen. Eine Umgehung der grundsätzlichen Probleme (Moneymanagement, Trenderkennung, Zusammenspiel der Zeiteinheit etc.) ist hier im Speziellen und im Allgemeinen   durch die Heikin-Ashi-Darstellung nicht möglich!

Die Heikin-Ashi-Kerzen sind folgendermaßen definiert:

Eröffnungskurs = (Eröffnungskurs des vorherigen Balkens + Schlusskurs des vorherigen Balkens)/2

Schlusskurs = (Eröffnungskurs + Höchstkurs + Tiefstkurs + Schlusskurs)/4

Hoch = das Maximum von Höchstkurs, Eröffnungskurs oder Schlusskurs (je nachdem, was am höchsten ist)

Tief = das Minimum von Tiefst-, Eröffnungs- oder Schlusskurs (je nachdem, was am niedrigsten ist)

011-heikin_ashi_kerze

Interpretation:

Trendverhalten Aufwärtstrend Abwärtstrend
Normaler Trend steigende grüne Kerzenkörper fallende grüne Kerzenkörper
Trend (stärker) steigende längere grüne Körper ohne unteren schatten fallende längere rote Körper ohne unteren schatten
Trend (schwächer) kleinere grüne Körper mit zunehmenden unteren Schatten kleinere rote Körper mit zunehmenden oberen Schatten
Trendkonsolidierung kleine(re) grüne Körper mit Docht & Schatten kleine(re) rote Körper mit Docht & Schatten
Trendwechsel sehr kleine grüne Körper mit deutlichen Dochten/Schatten sehr kleine rote Körper mit deutlichen Dochten/Schatten

Point und Figure

Neben Linien-, Balken, Candle- und den Heikin-Ashi Charts gibt es noch ein etwas weiter verbreitete Darstellungsweise: Point and Figure – Charts. Abgesehen von der etwas zu Beginn etwas eigentümlichen Darstellungen von Säulen, die aus “O” und “X” bestehen, unterscheiden sich Point and Figure Charts vor allem darin, dass sie keine Zeitachse besitzen, sondern nur reine Kursbewegungen abbilden. Auf wen die ursprüngliche Darstellungsweise nun letztlich zurückgeht ist umstritten bzw. ungeklärt. Die erste Veröffentlichung, in der die Methode beschrieben ist, ist das vom anonymen Autor Hoyle 1989 veröffentliche Werk “The game in Wall Street and how to play it successfully”.

Die Konstituierung der Charts erfolgt laut Wikipedia folgendermaßen:

Die höchste Aufmerksamkeit wird dem reinen Kursverlauf gewidmet. Die y-Achse dient dem Darstellen der Kurswerte, während auf der x-Achse lediglich als Orientierungshilfe die Monate aufgetragen werden können. Hier wird der Unterschied zu gewöhnlichen Koordinationssystemen deutlich: wo ein Wert eingetragen wird, hängt nicht von der x-Achse ab, sondern was wo auf der x-Achse eingetragen wird, hängt vom Wert ab.

Die Auftragung der Kursverläufe geschieht nach folgenden Regeln: Fällt der Kurs, so trägt man untereinander O-Zeichen ein, steigt der Kurs, so trägt man übereinander X-Zeichen ein. Sobald sich das Vorzeichen der Kursbewegung ändert, wird eine neue Spalte begonnen, so dass keine X- und O-Zeichen in der gleichen Spalte zu finden sind.

Für das Eintragen der Monate greift man auf die Zahlen 1-9 für die Monate Januar bis September zurück, während man für Oktober bis Dezember die Buchstaben A-C benutzt. Dies hat den einfachen Grund, die Übersichtlichkeit zu bewahren. Findet innerhalb einer Spalte ein Monatsübergang statt, so trägt man anstelle des Zeichens direkt das Kürzel für den Monat in die Spalte ein.

Während sich das Literaturangebot zu Heikin-Ashin-Kerzen relativ begrenzt zeigt, gibt es in diesem Fall einige interessante Veröffentlichen. Zu den Büchern.

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Weitere Alternativen

Kagi

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Eine weitere Möglichkeit Kurveränderungen darstellen zu lassen, sind die Kagi Charts. Diese Chart-Art wird mittels Linien (grün = Aufwärtstrend / rot = Abwärtstrend) dargestellt, welche sich bei manchen Variationen der Darstellung in ihrer Breite unterscheiden. Die Länge der Linien wird so lange weitergeführt, wie sich die Kursverläufe ausweiten. Diese Linien werden mittels einer kleinen Horizontalen Linie verknüpft. Im Grunde wird hierdurch das Kräfteverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei aufeinanderfolgenden dicken oder dünnen / farbenwechselnden Linien visualisiert. Ein ständig wechselnder Zyklus deutet auf eine Seitwärtsphase hin.

Renko

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“Renko” kommt aus dem japanischen und bedeutet so viel wie “Ziegel(stein)”. Bei diesem Charttyp wird vom Trader vorweg eine Kursspanne festgelegt, um die sich der Preis verändern darf und einen neuen “Ziegel” zu bilden. Hiermit wird das generelle Marktrauschen und zu geringe Volatilitäten herausgefiltert. Zudem wird hierbei durch das Filtern die reine Trendbestimmung vereinfacht (“Trenderkennungs – Chart”). ->Mögliche Fehlerquellen, bzw. Fehlinterpretationen kommen jedoch gehäuft vor, da nicht die gesamten Marktbewegungen angezeigt werden.

Three Line Break

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Die Darstellung des Three Line Break – Typ’s gestaltet sich in Form von Blöcken und ähnelt der Point & Figure Darstellung. Folgende Idee dahinter (am Beispiel des Tagescharts): Ein Schlusskurs überhalb des Vortageshochs generiert einen bullischen Block und ein Schlusskurs unterhalb des Vortagestiefs generiert einen bärischen Block. Die Three Line Break Ansicht hilft Trendwende Prozesse anzuzeigen, denn sobald der Höchstkurs des laufenden Tages den des Vor-vor Tages überschreiten / (das Vor-vor Tagestief unterbietet). Wichtig bei diesem Chartyp ist hauptsächlich, dass das Augenmerk auf Trendwendeprozesse (Reversals) gelegt wird.