Boersenerfolg_Kapitel_3_1

Diese (verdammte) Differenz von Theorie und Praxis (Fachwissen und Trading)
Unabhängig davon welchen der vier vorgestellten Ansätze bzw. Mischformen man nun verfolgt oder unbewusst vollzieht, offenbart sich in der Regel früher als später die allgemein gültige Formel, dass die Theorie der Praxis nur teilweise oder in manchen Fällen gar nicht entspricht. Die Differenz oder der Zwischenraum zwischen Theorie (Fachwissen) und Praxis (Umsetzung des geplanten Trades) hängt natürlich auch davon ab, wann und aus welcher Perspektive man diese betrachtet. Mit zunehmender Erfahrung, wachsendem Fachwissen und erfahrungsgeleiteter, anpassungsfähiger Umsetzung sollte die Differenz zunehmend kleiner werden. Eine vollständige Kongruenz von Fachwissen und Umsetzung will ich an dieser Stelle nicht ausschließen, sie scheint aber ein Ideal zu sein. Die Kongruenz entsteht mathematisch gesprochen wohl eher asymptotisch, das heißt, dass man sich dem „Idealzustand“ zwar sehr eng annähern, ihn aber niemals in perfekter Reinform erreichen kann.

Differenz und die Frage nach der Lückenschließung
Die Differenz zwischen Fachwissen und Umsetzung tritt meistens umso stärker in den Hintergrund, je besser es läuft und tritt deutlicher hervor, je mehr das eigene Tradingkonto im Minus ist.
Viele Anleger, unabhängig davon, wie erfahren (diesen Begriff werden wir später noch aufgreifen) sie sind, stehen doch vor der zentralen Frage: Wie schließe ich diese (verdammte) Lücke zwischen Theorie und Praxis? „Ich weiß jetzt schon vieles, habe eventuell sämtliche wichtigen Börsenseiten als Lesezeichen im Browser, viele Newsletter abonniert, CNBC auf Sendeplatz 1 programmiert und dennoch klappt es nicht so richtig.“

Informationsdefizit
Angesichts der vielfältigen kostenlosen wie kostenpflichtigen Angebote kann man zu dem Ergebnis kommen, dass die Diskrepanz primär nicht  einem Informationsdefizit entspringt. Die Frage wird umso drängender, umso je mehr Tradingbücher sich im eigenen Regal aneinanderreihen. Teilweise ist es sogar möglich, dass je mehr Informationen man  konsumiert hat, das Trading umso schlechter wird.

Informationskonsum
Das Problem zwischen Theorie und Umsetzung ist also nicht begründet in einem dürftigen Angebot oder fehlender Möglichkeiten Trades abzusetzen. Es scheint sich teilweise genau gegenteilig zu verhalten. Je mehr Informationen konsumiert (das Wort wurde bewusst im Sinne „verbraucht“  verwendet) und je einfacher sowie schneller ich Trades absetzen kann, desto schneller ist das Konto teilweise im Minus. (Bezug zur Einleitungsfrage mit dem Fokus: Wie komme ich zur Börse und wie gestalten sich die Zugänge zur Börse).

Aufnahme – Strukturierung – Verarbeitung – Überprüfung
Geht man von diesen Annahmen aus, kann man daraus auch folgern, dass nicht der Informationskonsum, sondern die Aufnahme, Strukturierung und Verarbeitung von Informationen(=Wissen?) im Fokus stehen sollten. Anders formuliert: Nicht die Zahl der Bücher ist wichtig, sondern wie ich diese Inhalte aufnehme, innerlich strukturiere, in ein „System“ verpacke und dieses in der Praxis überprüfe. Kurz und knapp: Man kann ein Buch lesen und man kann ein Buch lesen.

Fokussierung auf das Regelwerk – Fragen mit Symbolcharakter – Endlose Suche
Die sich teilweise größer als erwartet zeigende Differenz zwischen Theorie und Praxis (Fachwissen und Umsetzung) zeigt den Unterschied zwischen „Ist“ und „Soll“. Demnach kann man sie nicht nur als Indikator, sondern auch als Anreiz sehen einen Anpassungsprozess vorzunehmen. In der Regel erfolgt hierbei eine Fokussierung auf das scheinbare Fachwissen, das man meistens mit der konkreten Handelslogik gleichsetzt. Anstatt sich zu überlegen, wie man Fachwissen aufnimmt, verarbeitet und ob das dann tatsächlich auch so umgesetzt wird, stellt man sich gerade als Tradinganfänger vermutlich zu spezielle Fragen. Das kann Zeiteinheiten betreffen, Indikatoren oder Oszillatoren. Hierbei spielt die Herangehensweise eine Rolle, die ich zu Beginn erörtert habe. „Das funktioniert in der Praxis nicht, sag mir, ob ich eher den M30 oder den H1 Chart benutzen soll? Welcher gleitende Durchschnitt funktioniert besser…die EMA50 oder die SMA37?“

Anstatt sich also um das Fachwissen im Grundsätzlichen zu kümmern, sucht man die Lösung eines komplexen Problems oft in einem vertrauten (charttechnischen) Umfeld. Da Zeiteinheiten bzw. die Trendarchitekturen ein beliebtes und zugleich verhasstes Thema sind, greife ich dieses eine spezielle Thema als Beispiel einmal auf. Welche Zeiteinheit ist denn nun besser? M15 oder H1?

Gegenfrage: Was verändert sich maßgeblich am Trend, wenn ich anstatt einer H1- Kerze vier einzelne M15 Kerzen habe? Wenn diese „neue“ Frage, die voraussetzt sich selbst von „oben beobachten zu können“, nicht gestellt wird, kann es in der Tat dazu führen, dass die Differenz von Theorie und Praxis dahingehend endet, dass sich ein Anfänger in „Spezialthemen“ endlos suchend verliert.

Anstatt seinen Fokus auf das Gesamte mit reflektierendem Charakter zu legen, „doktert“ man in Subthemen vor sich hin und irgendwie verändert sich nichts. Die Frage nach Zeiteinheiten z.B. offenbart ein Missverständnis von über- und untergeordneter Trendarchitektur. Es tangiert ebenso das Verständnis von dem Entstehen und Zusammenfassen von Kursen (Stichwort: Times- and Sales Liste)

Wenn sich also Fragen ergeben, ist es notwendig sich zu fragen, ob diese Fragem und dieses Vorgehen überhaupt sinnvoll sind? Warum fragt man zum Beispiel gezielt nach einem M15-Chart? Ist es sinnvoll danach zu fragen und was für eine Frage steckt eigentlich hinter meiner Problematik?
Darüber hinaus muss man unterscheiden, wie das Fachwissen und die konkrete Umsetzung aussieht. In welcher Form wurde das Wissen verarbeitet, systematisiert und wie nachprüfbar konkret angewendet?

Stagnation und Fortschritt: Erfahrung durch den erfolgreichen Transfer von Ereignissen zu Erfahrungen
Dieser Sachverhalt zielt stark auf „Wissen“ – „Ereignis“ – „Anpassung“ – „Validierung“ –„neues Wissen“ ab. Kurzum: Wie entsteht Erfahrung? Welche Prozesse finden wann und wie statt und vor allem: Wie lassen sich aus Tradingereignissen (konkrete Trades) Erfahrungswerte generieren? Mit zunehmender Erfahrung wird man in der Regel besser, aber was bedeutet Erfahrung im Kontext des Börsenhandels überhaupt?
Dass es sich hier um ein höchstrelevantes Thema handelt lässt sich daraus ableiten, dass viele Tradinganfänger ein großes Problem mit der Beständigkeit haben. Man kann also scheinbar viele Trades absetzen und ist am nächsten Morgen oder zwei Wochen später bezogen auf das Fachwissen „kein Stück weitergekommen“. Gut, man hat gemerkt, dass von 4 Ausbruchstrades 2 funktioniert haben und Korrekturen weiter laufen können, als man erwartet. Die inhaltliche Konsequenz für die nächsten Trades tendiert dennoch gegen null.

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