Häufige Tradingfehler

HÄUFIGE TRADINGFEHLER

1. Zu große Positionen (zu hoher Hebel)

Mit deutlichem Abstand wird am häufigsten die Positionsgröße viel zu hoch angesetzt. Hierbei spielt der Aspekt der Gier eine dominante Rolle. Der Profit steht im Fokus und die Risiken werden ausgeblendet. “Der Kurs muss doch hier drehen. Was das für eine tolle Unterstützungs(Widerstands)-Zone doch ist!” Oftmals flackern regelrecht die Euro-Zeichen in den Augen, wenn man  schon die heftige Bewegung vor sich sieht, von der man profitieren wird. Angefeuert wird diese Gefühl (Gier) oftmals von der brennenden Vorfreude, die entsteht, wenn man sich vorstellt, wie hoch doch der Gewinn bei genau dieser Explosion sein wird. “Schnelles Geld – ein Klick und ich bin dabei! Gleich explodiert das hier und ich bin positioniert!” Die traurige Wahrheit sieht in fast allen Fällen gleich aus. Selbst wenn man diesen oder den nächsten Trade mit einem Gewinn beenden oder zumindest überleben kann, ist das Konto spätestens in wenigen Monaten weg.

Traden bedeutet aufgrund von gewissen Wahrscheinlichkeiten Positionen einzugehen, die im optimalen Fall höhere Chancen als Risiken bieten. Jeder Trade, und sei er noch so eindeutig, kann schiefgehen. Aufgrund dieser Tatsache, dass man hier mit Wahrscheinlichkeiten agiert, muss man Verluste einplanen und lernen mit diesen umzugehen. Oftmals werden nicht nur zu große Positionen eingegangen, sondern “All-in-Trades” vollzogen. Wenn diese dann schiefgehen, ist das Konto direkt platt. Konsequenz? Man schaut am nächsten Tag verbittert zu und sagt sich: “Ach hätte ich doch jetzt noch Kapital übrig, “dort” wäre eine tolle Möglichkeit.” Diese kann man aber nicht wahrnehmen, weil man ja alles für einen einzigen Trade verpulvern musste. Hop oder Topp. Was dazwischen gibts nicht. Reich oder Arm, jetzt oder nie.

Fakt ist: Sie hantieren mit Wahrscheinlichkeiten und man kann nie perfekt abschätzen, ob dieser oder jener Trade nun “ideal” funktioniert oder nicht. Hohe Positionen haben darüber hinaus den unangenehmen Nachteil, dass sie extrem erdrückend werden. Sowohl für das Handelskonto, als auch für die eigene Psyche, was im schlimmsten Fall sogar gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen kann. Tradingpositionen brauchen Luft zum Atmen, sie müssen sich entwickeln. Sicherlich dreht der Kurs manchmal “punktgenau” an einer Marke, aber wie oft zittert er  an einem Niveau noch eine ganze Weile, bis dann “endlich” mal die “gewünschte” oder “erwartete” Reaktion kommt. Bei genau eben dieser Reaktion ist man aber nicht mehr dabei, weil die hohe Positionsgröße solche “Zwischenspiele” nicht ermöglicht. Und selbst wenn der Kurs in die “richtige” Richtung läuft, wirkt die Positionsgröße so dominant auf das Sicherheitsbedürfnis, dass Gewinne sofort mitgenommen werden. Über dieses Thema ist viel geschrieben worden und man könnte es um weitere Bücher ergänzen, aber es bleibt dabei: Am Ende kosten zu große Positionen in fast allen Fällen das Konto, Zeit und Gesundheit. Leider finden die meisten das erst heraus, wenn man den Fehler bereits (mehrfach) begangen hat und die realen Folgen in Form des Kontostands von 0,00 Euro vor sich sieht. Am Ende bezahlen Sie für ihre Fehler. Oftmals sofort, aber in jedem Fall später. Im Leben kommt man vielleicht für manche Dinge “ungeschoren” davon, aber “die” Börse verzeiht ihnen nichts.

2. Keinen Stop Loss verwenden

Während sich fortgeschrittene oder professionelle Händler maßgeblich auf die Frage konzentrieren, wie viel man bei diesem oder jenen Trade verlieren kann, sehen viele meistens nur den theoretischen Gewinn. Oftmals rechnet man sich vor oder während der laufenden Position schon reich. Demnach verwenden viele gar keine Verlustbegrenzung. Warum auch? “Der Kurs ist an einem tollen Unterstützungs- oder Widerstandsbereich, wo er ja schließlich drehen muss. Gut, er kann vielleicht noch ein wenig gegen mich laufen, aber im Endeffekt muss er hier drehen. Immerhin liegt an diesem Level  eine Trendlinie, viele wichtige gleitende Durchschnitte und ein starkes Fibonacci-Retracement….”

Das Problem an der Sache ist wieder die Thematik mit der Wahrscheinlichkeit. Nichts ist sicher. Im besten Fall haben Sie ein viel höhere Wahrscheinlichkeit Profite zu generieren, als tatsächlich Verluste zu akzeptieren, aber am Ende bleibt es nun mal bei der “erhöhten Wahrscheinlichkeit”.

Die Hoffnung lässt einem meistens in dem Irrglauben, dass die Position irgendwann noch dreht. Das mag auch zutreffen, aber es kann noch 50, 100 oder 300 Pips (Punkte) dauern. Vielleicht kommt die ersehnte Bewegung auch erst in 3 Wochen nach 500 Pips.

 

kein_SL_teufelskreis

Meistens wird nicht nur auf den Stop-Loss (SL) verzichtet, sondern gleichzeitig auch eine zu große Position verwendet. Jeder Pip, jeder Punkt in die Gegenrichtung, in den “noch theoretischen Buchverlust”, fühlt sich dann an, wie ein Schlag ins  Gesicht. Wurde der Trade auf dem H4- oder H1-Chart begonnen, bangt man nun mit jeden Tick auf dem Minutenchart. In der Regel ist ein exorbitanter Verlust vorprogrammiert. Dieser hat wiederum massive Konsequenzen, da man nun versucht, so schnell wie möglich den Schaden zu “beheben”. Dadurch entsteht ein Teufelskreis.

3.) Positionen (unsystematisch) verbilligen, die gegen einen laufen

Hinsichtlich der “Re-Order” bzw. dem “Verbilligen” gibt es konträre Meinungen. Betrachtet man undifferenziert die Perspektiven, kann man hier von maßgeblich 2 Sichtweisen ausgehen. Zum einen gibt es die Ansicht, dass man Positionen (vor allem beim Verlustfall) nicht verbilligen oder anders formuliert “nachshorten” oder “nachkaufen” sollte. Die andere Sichtweise befürwortet das “Reordern”, wenn es unter gewissen Regeln und damit nach einem System vollzogen wird.

Wie so oft, liegt die Wahrheit hier meiner Meinung nach in der Mitte. Natürlich ergibt es einen Sinn bei bestimmten Setups weitere Positionen in den Markt zu legen, obwohl die erste Position (geplant) in den Verlust  gelaufen ist. Besonders bei der Positionierung in Trendrichtung macht das Sinn. Es gibt Situationen, da muss eine “erweiterte” Korrektur eingeplant werden. Darüber hinaus löst man sich von der Problematik stets und ständig einen “perfekten” Einstieg finden zu müssen. Man gibt dem Markt also einen “erwarteten” Spielraum. Dabei ist es wichtig diese Handelslogik nach System auszuführen. Bei dieser Methode kann man hauptsächlich 2 Fehler machen. Die Frequenz und die angedachte Positionsgröße. Kurzum: Statt systematisch und in sinnvollen Abständen erneut in den Markt zu gehen, wird eine Position nach der anderen in relativ kurzen Abständen (sowohl zeitlich (jede 5-10 Minuten) als auch preislich (alle 10 Pips) ) eröffnet. Am Ende liegen dann alle Positionen so nah beieinander, dass der Effekt des “Positionssplittings” verloren gegangen ist und  eine riesige Position im Depot liegt.

Das unsystematische Reordern knüpft letztlich am Fehler 2 (Kein Stop Loss verwenden) an. Statt die Position zu stoppen, wird der Stopp entweder verschoben beziehungsweise vollständig entfernt. In der Hoffnung, dass der Markt “doch noch dreht”, werden nun mit viel zu hoher Frequenz und riskanter Größen weitere Positionen eröffnet. Das läuft meistens darauf hinaus, dass man am Ende vom Lied auf einem riesigen Berg von Positionen sitzt, die allesamt im Verlust laufen und nahezu das Konto so stark belasten, dass man sich nicht mehr traut vom PC wegzugehen. Verkrampft beobachtet man alle Positionen auf dem Minutenchart, bevor man in der Regel früher als später durch den Margin Call entlassen und erlöst wird.

Wenn man im Vorfeld plant eventuell nachzu(ver)kaufen, sollte man sich vorher klar sein, zu welchem Preis und mit welcher Größe man dann zusätzlich in den Markt einsteigt und was der vollständige Stop für ALLE Positionen, die diesen Trade betreffen, letztlich kostet.

4. Der Umgang mit  Verlusten (Lernen aus Fehlern)

Verluste gehören zum alltäglichen Börsengeschäft dazu. Sie sind “eigentlich” selbstverständlich. Dennoch haben die meisten  Trader damit Probleme. Es fällt schwer sich einzugestehen, dass man einen Fehler begangen hat und das Setup nicht funktionierte. Dabei spielt die Wortwahl alleine schon eine Rolle, da man hier unterscheiden muss. Es gibt Setups, die fachlich korrekt ausgeführt worden sind und dennoch nicht aufgingen. Daneben gibt es Trades, die fachlich unsauber gehandelt wurden. Oftmals verbindet man jedoch mit einer Person ein persönliches Statement. Man bekennt sich zu seinem System und verbindet das Ego mit der Position. Dabei hält man am Trade fest, selbst wenn dieser nicht aufgeht. Auch dafür gibt es einen Börsenspruch: Verheirate dich niemals mit einem  Trade oder einem Trend. Es hilft Abstand zu schaffen. Wenn die Sätze schon anfangen mit “Ich denke…” “Ich bin der Meinung”…ist eine zu starke Bindung teilweise schon vorprogrammiert. Beim täglichen Trading braucht man keine Meinungen, sondern Signale. Die werden vom Handelssystem erzeugt. Daher hilft es im Kopf bereits den Dialog so zu beginnen: “Laut dem Handelssystem sollte es hier XY Punkte steigen, bzw. drehen und den Stop Loss muss man hier setzen. Punkt”. Idealerweise führt man keinen inneren Dialog, sondern setzt Dinge “kalt” um, was leichter klingt, als es tatsächlich ist.

 

Umgang_mit_Verlusten_www.scalp-trading.com

Letztlich kann man nur besser werden, wenn man lernt. Die meisten Lernprozesse gehen auf die Erfahrung zurück. Diese Erfahrungen sammelt man mit fehlerhaften Trades. Wenn man jedoch keinen Stop-Loss verwendet, kostet jeder Fehler oft das halbe Konto. Die Wahrscheinlichkeit mit dieser Art und Weise viel zu lernen, wird damit minimiert. Wer besser werden will, muss akzeptieren, dass er aus Fehlern bessern wird. Damit man überhaupt aus Fehler lernen kann, muss man zulassen, dass Fehler entstehen und versuchen die Konsequenzen so gering wie möglich zu halten (Stop Loss).

Wenn man das akzeptiert hat, stellt sich immer noch die Frage, wie man letztlich mit Fehlern umgeht. Erst die richtige Einstellung im Umgang mit Fehlern führt zu einer Verbesserung. Es ist letztlich die Einstellung, die Charts und die eigenen Fehler, welche zur progressiven Optimierung des Handelssystems und den damit verbundenen Signalen in tatsächliche Profite verwandelt. Simple Linien in den Charts sind de facto immer noch Linien in den Charts. Wie man diese jedoch sieht, verwendet, aus Ihnen lernt und mit ihnen umgeht, entscheidet über Gewinn oder Verlust.

Warum viele Trader oft nicht weiterkommen [HD]
Behavioral Finance – 15 Trading-Tipps [HD]

5. Kein Handelssystem aufgrund fehlender Disziplin (fehlende Ein- und Ausstiegskriterien)

Unabhängig von den bereits erläuterten folgenschweren Fehlern zu große Positionen zu benutzen und auf den Stop Loss zu verzichten, treten oft Umsetzungsprobleme beim eigenen Handelssystem auf. Ein System muss zuerst erstellt und danach kontinuierlich validiert werden. Ziel des Tradens ist es doch systematisch und beständig auf den Grundlagen des Moneymanagements Tradingchancen herauszufiltern, die ein angemessenes Chance-Risiko-Verhältnis besitzen. Im Vordergrund  steht die Duplizierbarkeit seiner Handlungen und den damit verbundenen Trades. Was bringt mir ein  Gewinn, wenn ich morgen schon nicht mehr weiß, warum ich diesen eigentlich gehandelt habe.

Das Handelssystem ist eine Art Leitlogik, ein Leitplan..es können je nach Basiswert und Strategie mehrere Handelssysteme nebeneinander parallel existieren, welche Handlungsweisen nach gewissen Regeln konstituieren. Letztlich kommt es auf 3 wichtige Dinge an: 1)  Erstellung  2.) Die Einhaltung der Reglen 3.) Kontinuierliche Validierung.

Ohne System ist beständiger Erfolg schlichtweg unmöglich, weil Sie damit den Tradingerfolg in die Hände des Schicksal, des Glücks oder des Zufalls legen. Das beste System nützt Ihnen aber nichts, wenn Sie sich nicht an die Regeln halten. Anders formuliert, brauchen Sie sich also nicht  wundern, wenn Sie eine Anleitung für was auch immer umfunktionieren und Ihnen nachher das Ergebnis nicht passt. Auf den Börsenhandel bezogen heißt das, dass Sie auch nur die Signale traden sollten, die Ihnen ihr System liefert. Ob ein System funktioniert lässt sich auch nicht nach 5, 10 oder 15 Trades beurteilen. Sicherlich muss man sein System stetig validieren, aber gerade in der Frequenz der Handelssystembeurteilung passieren die meisten Fehler. Diese ist schlichtweg zu hoch. “2 Mal hat “das” Signal funktioniert, 3 Mal “nicht” – das System muss umgeändert werden.”  Das passiert in der Regel alle 2 bis 3 Wochen, in manchen Härtefällen auch alle 3 bis 4 Tage. Es beginnt auch hier wieder ein Teufelskreis. Anstatt ein System systematisch durchzuziehen und in sinnvollen Abständen zu überprüfen, begeben sich viele Tradinginteressierte auf die endlose Suche nach dem “optimalen” System. Die zwei Hauptgründe dieser fehlerhaften Entwicklung sind letztlich immer die Gleichen: Man hält sich einerseits gar nicht an sein System (und kann es aufgrund dieser Verhaltensweise auch gar nicht beurteilen) und verändert viel zu früh, viel zu viele Parameter. Kurzum: Gift für eine beständige, von Zeit zu Zeit validierbare erfolgreiche Handelslogik. Wer also statt Dünger und Wasser, Steine und Säure benutzt, braucht sich nicht wundern, wenn kein Gras wächst.

Mit dem “fehlerhaften” System in Verbindung einer möglichen fehlenden Disziplin ergeben sich weitere gravierende Entwicklungen, die sich nachhaltig und äußerst schädlich auf den Tradingerfolg auswirken können. Hält man sich nämlich nicht an seine Signale, traden viele in der Regel um zu Traden. Steht normalerweise die Frage im Fokus, wo man möglichst sinnvolle Signale erhält, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einen Profit bringen können, konzentriert man sich stattdessen oft auf die Frage: “Wo man einen Trade machen kann”. Sicherlich spielt der Profitgedanke in diesem Fall auch eine (untergeordnete) Rolle, aber oftmals geht es nur darum “im Markt” zu sein, denn schließlich will man ja nicht sinnlos vor den Monitoren sitzen. “Wenn man schon vor dem PC sitzt, muss auch ein Trade her..sonst sitzt man ja schließlich nicht davor!” Ob der Markt beziehungsweise das eigene Handelssystem überhaupt sinnvolle Signale liefert, fällt dabei unter den Tisch. Im “besten” Falle, besorgt man sich irgendwoher irgendwelche Signale. Das hat dann die zusätzliche Konsequenz, dass man aus dem möglichen Fehltrade weniger oder gar nichts lernt, weil man die Signale unreflektiert verwendet hat.

6. Nicht genau wissen, was man da eigentlich tradet (oft verursacht durch fehlendes Wissen über das Zusammenspiel von Zeiteinheiten und deren Signale)

Hier eine tolle Widerstandszone auf dem M5-Chart, dort eine Trendlinie auf dem Stundenchart. Vermeidliche Signale ergeben sich häufig. “Die bullische Flagge wird gleich ausgelöst” – und nach dem Bruch explodiert der Kurs nicht wie erhofft in die gewünschte Richtung, sondern geht vielleicht in eine trendlose Phase über. Alleine bei diesen Sätzen zeigt sich schon die Frage,  was man da eigentlich handelt? Wenn man von einem Trend spricht, sollte man bereits vorher klären auf welchen man sich  bezieht. Meint man den Tagestrend, den Wochentrend oder lediglich den untergeordneten Trend auf kleineren Zeiteinheiten. Oftmals wird im Chart agiert, ohne diesen in seiner Tiefe zu verstehen. Grundsätzlich treffen Angebot und Nachfrage in/an der Börse aufeinander. Diese hat die Aufgabe als Intermediär für einen optimalen Ausgleich von Kauf- und Verkaufsordern bei höchstmöglichem Volumen zu sorgen. Des Weiteren gibt es letztlich 2 maßgebliche konstituierende Elemente: Die Bewegung und die Korrektur. Aus diesen 2 Bausteinen, setzten sich Trends und Kursmuster zusammen.

Aus der charttechnischen bzw. markttechnischen Perspektive kann man 1.) Trends 2.) Bewegungen 3.) Ausbrüche und 4.) Korrekturen handeln. Wenn man weiß, was man nun handelt, bleibt noch zu klären auf welcher Zeiteinheit ich dies vollziehe und in welchem Zusammenhang das mit den höheren Zeiteinheiten wiederum steht.

Das Prinzip der Verschachtelung spielt hier eine konstituierende Rolle. Die kleinere Zeiteinheit ist schlichtweg ein Teil einer größeren Zeiteinheit. Versucht man also einen Überblick aus dem M5-Chart zu generieren, schafft man die besten Vorraussetzungen dafür am Ende vor lauter unterschiedlichen Signalen nicht mehr “durchzublicken”.

Der M5-Chart stellt eine bullische Flagge dar, während der H1-Chart einen mustergültigen Abwärtstrend aufweist, der auf dem Tageschart wiederum allerdings ein Aufwärtstrend ist. Ja was denn nun? Bullisch oder Bärisch? Grundsätzlich gilt hier das Prinzip des Bergsteigers, nur dass wir nicht im Tal beginnen, sondern am Gipfel. Übergeordnete Zeiteinheiten dominieren und lassen sich dann in den kleineren Zeiteinheiten “auffächern” (Charttechnische Lupe durch kleinere Zeiteinheiten). Sinnvoll ist es also, zunächst die Wochen- oder Tagestrendsituation festzustellen. Wenn diese z.B. übergeordnet aufwärtsgerichtet sind, wissen wir schon mal, dass die Autobahn in Richtung “Long” geht. Wie passt jetzt ein Abwärtstrend auf dem H1-Chart zu dieser Aussage? Nun, nur weil der Tagestrend Long ist, müssen nicht automatisch alle anderen Zeiteinheiten die gleiche bzw. selbe Richtung aufweisen. Ein Tagestrend besteht nun mal aus Bewegung und Korrektur. Es kann also gut sein, dass sich der Tagestrend gerade in einer Korrektur befindet. Diese Korrektur zeigt sich im untergeordneten H1-Chart als Abwärtstrend.

Was passiert häufig? Anstatt sich einen Überblick zu schaffen, springen viele direkt in den M5-Chart. Irgendein Signal ergibt sich schon und das wird gehandelt. Dabei ist man sich oft nicht im Klaren, was der M5-Chart überhaupt z.B. im H1-Chart darstellt. Der Aufwärtstrend im M5-Chart kann z.B. nur eine bärische Flagge im H1 sein. Dieser wiederum kann eine bullische Flagge auf dem Tageschart darstellen.

Zusammenspiel der Signale und ihrer Zeiteinheiten:

Zeiteinheiten_verwirrung_signale

 

Fragen, die man sich  vor dem Trade stellen sollte:

A.) – Situation der Zeiteinheiten

A.0) Wie sieht die übergeordnete Wochen- und Tagessituation aus

A.1)  Was sehe ich auf dem H4-Chart und welchen Teil des Tagescharts betrachte ich da gerade?

A.2) Was sehe ich auf dem M15-Chart und welcher Teil des H4-Charts betrachte ich gerade, der wiederum ein Teil des Tagescharts darstellt.

-> Handle ich den Trend auf M5? Handle ich die bärische Flagge auf dem H1 Chart? Handle ich die bullische Flagge auf dem Tageschart? Oder handle ich alles auf einmal?

 

B.) – Situation der Signale (Was will ich eigentlich von welcher Zeiteinheit)

B.0) WAS genau handle ich nun. Trend, Bewegung, Ausbruch oder Korrektur auf dem M5/H1/H4…/Tageschart?

Tradingstile – Was genau handelst Du eigentlich? [HD]
Scalpen auf und mit dem Tageschart? [HD]

7. Je mehr Trades, desto besser

Was vielleicht in anderen Bereichen außer der Börsenwelt funktionieren mag, gilt beim Trading in der Regel nicht. Abgesehen von der Depotgröße. Da ist es nun mal so, dass ein Trader mit viel Kapital in der Regel auch viel bewerkstelligen kann. Das ist kein Grundgesetz, aber gehen wir mal von 2 “gleich guten” Tradern A und B aus. Trader A hat ein Kapital von 100.000 Euro, während Trader B mit 1.000 Euro handelt. In diesem Fall ist es einfach so, dass Trader A mit 2% Rendite pro Woche 2.000 Euro verdient, während Trader B ein Plus von 20 Euro verbucht. Also abgesehen von der Kontengrößenproblematik, die unter dem Punkt 8 besprochen wird, wollen wir uns in diesem Abschnitt auf die Frequenz beschränken.

Fakt ist, dass jeder Trade Geld (Spread) kostet. Nicht umsonst heißt  ein bestimmter Börsenspruch: Hin- und Her macht die Taschen leer. Das klingt etwas überspitzt und schießt leicht über das Ziel hinaus,  trifft aber im Kern die Wahrheit. Auch hier muss man differenzieren. Es gibt sicherlich Trader, die sehr viele Trades in relativ kurzer Zeit durchführen und damit sehr profitabel arbeiten. Aber bei vielen ist das häufige Traden kein Ergebnis der Handelslogik, sondern Gier in Kombination mit Unsicherheit. Oftmals werden also viele Positionen (am besten noch gleichzeitig) eröffnet, die dann mit wenig Gewinn wieder geschlossen werden, weil man Angst hat, die Profitpunkte bzw. Pips wieder abzugeben.

Am Ende muss man sich fragen, ob wirklich ein “hochwertiges” Signal vorliegt oder ob man einfach nur ein wenig “Action” haben will, damit man im Markt ist, um im Markt zu sein. Undifferenziert und pauschalisierend kann man sagen, dass auch hier gilt: Weniger ist oft mehr.

8. Unrealistische Erwartungshaltungen (an sich und sein Konto)

Die Börse und der Börsenhandel werden sofort mit großen Geldmengen verbunden. Stetig fluktuierende Geldströme, ständig wechselnde Besitzer von Aktien, Optionen, Rohstoffe, Anleihen und Derivaten kommen vielen in den Sinn. Des Öfteren tauchen immer mal wieder Berichte auf, wie einige Millionen an den Börsen verdient haben. Das Problem ist meistens, dann man sich oft nur auf diese Gewinner fokussiert, während die große Masse, die eigentlich nur Geld an den Börsen verbrennt, außer Acht gelassen wird.

Das individuelle Bild auf die Finanzmärkte prägt (un)bewusst auch meistens die Einstellung zum eigenen Handel. Während man sich nur auf die Gewinne fokussiert, kümmert man sich um die “theoretischen” Buchverluste, wenn es so weit ist. Und dann ist es meistens schon zu spät. Aufgrund dieser Einstellung erwartet man also maßgeblich Gewinne.

Letztlich könnte man über dieses Thema Bücher schreiben, was in der Vergangenheit bereits getan wurde. Fakt ist: Wer bereits sehr viel Geld hat, kann auch sehr viel Geld machen. Wer was erreichen will, muss dementsprechend auch was einsetzen. Das Problem ist meistens, dass “kleinere” Anleger so viel Geld wie die “großen” Anleger machen wollen, aber außer Acht  lassen, dass mit dieser “Einsatzgröße”  auch der vollständige Kapitalverlust des eigenen Kontos verbunden ist. Während ein Trader mit einer Kontogröße von 100.000 Euro ohne Probleme Positionsgrößen von mehreren Lot aufbauen kann, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein kleineres Konto mit hohen Lotzahlen schlichtweg gegen die Wand fährt.

Kurz formuliert, muss man sich darüber im Klaren, dass man mit einem kleinen Konto keine “Tausender über Nacht” zaubern kann. Das mag Mal gutgehen, bedeutet aber fast immer den sicheren Totalverlust. Man kann sich jetzt streiten, wie viel Rendite möglich ist und auf welchem Wege dieses  Ziel erreicht werden kann. Mein Ansatzpunkt ist lediglich als “grobe” Orientierung zu verstehen, welcher als Impuls wirken soll. Gehen wir davon aus, dass man mit 5-15% Rendite pro Monat schon zu den erfolgreichen Anlegern gehört, kann man sich selbst ausrechnen, was mit seinem Konto möglich ist. Darüber hinaus bleibt auch zu klären, wie konstant man Performance erzeugen kann. Machen wir das an einem Konto von 10.000 Euro fest. Eine realistische Gewinnerwartung beträgt hier pro Monat 500 bis maximal 1.500 Euro. Bereits hier, muss der Hinweis erfolgen, dass die 1.500 Euro pro Monat die absolute Obergrenze darstellt, die im bestmöglichen Fall eintritt.

Man kann es nun drehen und wenden wie man möchte, aber es bleibt gültig: Erst Kapitalschutz, dann die Rendite. Dieser Satz beinhaltet letztlich auch so was wie die Entwicklung der Traderpersönlichkeit. Man kann froh sein am Anfang nicht zu viel Geld zu verlieren. Wenn man gelernt hat, halbwegs zu überleben, ohne bei jedem Trade einen Nervenzusammenbruch und einen Kapitalverlust zu riskieren, ist man bereits einen großen Schritt weiter. Ob sich ausgehend von diesem Niveau dann Gewinne (automatisch) einpendeln, hängt von weiteren Faktoren ab. An diesen Punkt wird man jedoch nie kommen, wenn bereits in der ersten Phasen stets und ständig mit einer überzogenen Gewinnerwartungshaltung das Konto an die Wand gefahren wird. Es gibt nun mal gewisse Entwicklungs- und Erfahrungsprozeduren, die man zeitlich nicht überspringen kann.

Diese formulierten “Maxime” scheinen aus der theoretischen Perspektive einleuchtend und vernünftig. Jeder, der aber schon mal gewisse Tradingerfahrungen sammeln konnte, weiß zugleich, dass sich die Komplexität und die damit verbundenen Problematiken der Umsetzung erst im “echten” Trading offenbaren. Selten klaffen die Welten von Theorie und Praxis so weit auseinander wie im Börsenhandel.

Es hört sich leichter an, als getan, aber wenn man mit vernünftigen Positionsgrößen handelt, seinen Stop Loss setzt und nicht an die Millionen denkt, wäre schon sehr viel erreicht. Ob der “Rest” dann automatisch kommt, wird sich zeigen.